Löffelliste Ziele: Heiraten und Familie gründen?

Im Alter von 18 Jahren war mein größter Herzenswunsch, einen Partner zu finden, der stets an meiner Seite stehen würde und mit dem ich alt werden könnte. Der mich vielleicht auch heiraten und mit mir Kinder haben wollen würde. Dieser Herzenswunsch stand über all meinen anderen Lebenszielen. Und doch fand er nie einen Platz auf meiner Löffelliste.

Heiraten und Kinderkriegen: Typisch Frau

Es gab mehrere Gründe, weshalb ich auf meine Löffelliste nicht die Lebensziele „einen Partner finden“ oder „heiraten“ und „Familie gründen“ geschrieben hatte. In erster Linie war mir mein Herzenswunsch peinlich: Er klang so kindisch, naiv und klischeehaft. Ja, fast schon unrealistisch. Viele jungen Frauen und Mädchen im Teenageralter wünschen es sich, eines Tages dem perfekten Mann zu begegnen, ihn zu heiraten und mit ihm eine Familie zu gründen. Sie malen sich ihre Hochzeit und ihr Hochzeitskleid schon im Kindesalter aus und träumen von der glücklichen, heilen Familie.

Mit meinen 18 Jahren war ich mir durchaus im Klaren, dass es die Bilderbuch-Familie nicht geben kann: Ich würde mich mit meinem Partner bestimmt des Öfteren streiten, er wäre nicht immer mit dem einverstanden, was ich gerade wollte. Wir würden unterschiedlicher Meinungen sein. Er würde vielleicht gar nicht heiraten wollen. Oder wenn er mich heiraten wollen würde, dann vielleicht nicht so romantisch wie ich es gerne hätte. Dasselbe würde für das Kinderkriegen gelten. Vielleicht würde mein Partner keine Kinder haben wollen oder er würde er sogar welche mit in die Beziehung bringen. Und nur weil ich mit ihm verheiratet wäre, würde das nicht gleich bedeuten, dass mein Partner und ich ein Leben lang zusammenbleiben würden. Laut dem statistischen Bundesamt wird in Deutschland jede dritte Ehe geschieden. Meine Chance auf eine lebenslange Ehe bestand somit eins zu drei.

Trotz all der Bedenken wünschte ich mir nichts sehnlicher als eine Bilderbuch-Familie. Auch wenn das naiv und kindisch klang; Es war mein Herzenswunsch.

Damit mein Herzenswunsch also in Erfüllung gehen konnte, müsste ich den passenden Mann finden, der mich heiraten, mit mir eine Familien gründen und der mit mir ein Leben lang zusammen bleiben würde. Und damals war dieser besagte Mann weit und breit noch nicht zu sehen.

Löffelliste Ziele: Nimm deine Lebensziele selbst in die Hand!

Zudem war ich der Meinung, dass auf meine Löffelliste nur Lebensziele stehen sollten, über die ich auch selbst die Entscheidungsmacht hatte. Lebensziele, die nicht von einem anderen Menschen abhängig waren, sondern nur von mir selbst. Nur ich hatte es in der Hand, mein Lebensziel umzusetzen: Wenn ich einen Fallschirmsprung machen möchte, dann kann ich selbst entscheiden, wann, wie und wo ich dieses Lebensziel umsetzen möchte. Einen Mann zu treffen, mit ihm alt werden, ihn heiraten und mit ihm eine Familie gründen: Darüber hatte ich nicht die alleinige Macht. Zwar hätte ich Initiative ergreifen können. Ich hätte auf Partys Männer ansprechen oder mir eine Dating-App anlegen können, um Männer kennenzulernen, aber das hätte vielleicht trotzdem nie bewirkt, dass ich einen Mann finden würde, der mich liebt, der mit mir alt werden würden, mich heiraten und mit mir Kinder haben wollte. Die Initiative alleine hätte nicht gereicht. Mein Herzenswunsch war von der Gefühlslage eines anderen Menschens abhängig. Und auf einen anderen Menschen hatte ich keinen Einfluss.

Hinzu kommt, dass die Löffellisten-Ziele nur kurze Ereignisse im Leben sind. Flüchtige Momente, die für uns zwar besonders und nennenswert sind, aber sie begleiten uns nicht durch unser ganzes Leben wie einen Partner und die Familiengründung.

Das führt mich zu einem weiteren Grund, weshalb ich mir meinen Herzenswunsch nie auf meine Löffelliste geschrieben hatte. Damals hatte ich mich inständig gefragt: „Was wäre, wenn ich niemals den Partner fürs Leben finden würde? Wenn ich mein Leben lang alleinstehend wäre und keine Familie gründen könnte?“ Dann würde die Löffelliste mich immer wieder an mein Scheitern erinnern.

Ich schlage meine Löffelliste des Öfteren auf und schaue mir gerne meine erreichten und meine noch offenen Lebensziele an. Dabei durchströmt mich Stolz. Ich bin so stolz auf mich, dass ich so viele Lebensziele bereits umgesetzt und erreicht habe. Und ich freue mich noch auf die ausstehenden Lebensziele, die ich in den nächsten Jahren mir erfüllen werde. Würde aber mein Herzenswunsch auf der Liste stehen und der Herzenswunsch wäre noch nicht in Erfüllung gegangen, dann würde mein Blick immer wieder traurig an diesem Lebensziel hängen bleiben. Ich würde die Löffelliste seltener aufschlagen, weil ich immer wieder meinen Herzenswunsch vor Augen hätte, der nicht in Erfüllung gegangen wäre. Das war nicht der Sinn und Zweck, weshalb ich mir meine Löffelliste anlegte. Die Liste sollte mich weiterhin nur mit Stolz und Freude erfüllen, nicht mit Trauer oder Enttäuschung.

Was kommt (nicht) auf die Löffelliste?

Obwohl ich heute verheiratet bin und ein Kind habe, würde ich meinem 18-jährigen Ich trotzdem raten, „einen Partner finden“ oder „heiraten“ und „Familie gründen“ nicht auf die Löffelliste zu schreiben. Ich bin immer noch der Meinung, dass mein Herzenswunsch, der so viel größer ist als alle anderen Lebensziele zusammen, nicht auf die Löffelliste gehört. Wie ich bereits erwähnt habe, gehören für mich nur Lebensziele auf die Löffelliste, über die ich ganz alleine entscheiden und die nur ich beeinflussen kann. Lebensziele, die ich nicht von der Gefühlslage anderer Menschen abhängig machen muss.

Die Löffelliste dient heute nur diesem einen Zweck: Sie soll mich immer wieder daran erinnern, dass ich das Leben genießen und leben soll.

Löffle dein Leben, Lea Kraft

Wenn du mehr über meine Löffelliste oder über die Begegnung zwischen mir und meinem Mann erfahren möchtest , dann empfehle ich dir mein Buch „Löffle dein Leben“.

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