Löffelliste Ziele: Gewöhnliches außergewöhnlich machen

Wenn du dir die Löffelliste in meinem Buch „Löffle dein Leben“ angeschaut hast, dann hast du vielleicht festgestellt: Über dem etwas außergewöhnlichen Lebensziel „auf einem Kamel durch die Wüste reiten“ steht ein nicht ganz so extravagantes Lebensziel: „Abends ins Kino gehen“.

Sicherlich fragst du dich: „Wie kann es sein, dass sich Lea >abends ins Kino gehen< auf die Löffelliste schreiben musste? Hat sie das denn noch nie gemacht?“

Nein, das hatte ich leider noch nie gemacht.

Was macht das Leben lebenswert?

Als ich mir eine Löffelliste anlegte, war ich 18 Jahre alt und ging noch zur Schule. Oft hatte ich das Gefühl gehabt, in meinem Leben noch nicht viel erreicht zu haben. Nein, „erreicht“ ist das falsche Wort. Erreicht hatte ich bis dato schon einiges. Ich hatte bereits meinen Realschulabschluss absolviert und meinen Führerschein gemacht. Ich wollte mein Abitur im darauffolgenden Jahr bestehen und danach arbeiten gehen. Doch ich fragte mich inständig, ob das schon alles war? War das das Leben? Für die Schule lernen und arbeiten gehen? Was machte das Leben lebenswert?

Ich hatte also das Gefühl, ich würde mein Leben nicht richtig leben. Mein Leben fühlte sich leer an. Ich fühlte mich unausgefüllt. Als würde etwas fehlen. Nur wie konnte ich das ändern? Wie schaffte ich es, dass ich mein Leben lebenswert machte?

Plötzlich fielen mir all die Dinge ein, die ich immer schon mal hatte machen wollen. Ganz gewöhnliche Dinge, banale Dinge. Dinge, die die meisten Menschen schon gemacht haben, und die nicht besonders sind, sondern alltäglich, normal. Unter anderem abends ins Kino zu gehen. Wie oft war ich mit einer Freundin an einem Samstagnachmittag ins Kino gegangen? Sehr oft. Aber ich war noch nie abends im Kino gewesen. Aus welchem Grund? Es hatte sich bisher nie eine Gelegenheit ergeben, abends ins Kino zu gehen.

Daher schrieb ich mir „abends ins Kino gehen“ auf meine Löffelliste. Gefolgt von: „auf eine Hochzeit gehen“, „mich massieren lassen“, „eine Sauna besuchen“. Noch nie hatte ich „Sushi gegessen“.

All diese gewöhnlichen Dinge waren mir bisher verwehrt geblieben, obwohl sie doch so einfach waren. Ich hätte sie so leicht in die Tat umsetzen können: Zum Beispiel hätte ich in meiner Mittagspause in eine Sushibar gehen können, anstatt in die immer gleiche Bäckerei. Das wäre für mich keine Herausforderung gewesen. Trotzdem hatte ich es nie gemacht, weil der Gang zur Bäckerei Gewohnheit war. Es war mir nie in den Sinn gekommen, mal etwas anders in der Mittagspause zu essen.

Ich habe noch nie …, ich bin noch nie …

Wenn du auch so ein Gewohnheitsmensch bist wie ich, könnte dich mein Blogartikel „Was kommt auf die Löffelliste? Auf jeden Fall „Eis, Eis, Baby“!“ interessieren.

Dank meiner Löffelliste kann ich mittlerweile gar nicht mehr aufzählen, wie oft ich auf einer Hochzeit und abends im Kino war, mich habe massieren lassen, Sushi gegessen habe und in die Sauna gegangen bin. Jede Umsetzung meiner Lebensziele hat bei mir einen Eindruck hinterlassen und mir so viel Spaß gemacht, dass ich sie heute noch gerne in mein Freizeitprogramm integriere. Vor allem in die Sauna gehe ich sehr gerne.

Dennoch gibt es heute immer noch auf meiner Löffelliste banale, nicht außergewöhnliche Lebensziele, die ich leider noch nie gemacht habe:

Vor einem Jahr hatte mir ein Bekannter erzählt, er sei letztens mit dem Taxi gefahren. Daraufhin versuchte ich mir den Bekannten in einem Taxi vorzustellen. Das fiel mir sehr schwer, denn ich wusste gar nicht, wie ein Taxi von innen aussah. Da wurde mir plötzlich schreckhaft bewusst, dass ich noch nie im Leben mit einem Taxi gefahren bin. Wie kann das sein? Schließlich ist eine Taxifahrt nichts außergewöhnliches. Das machen so viele Menschen. Gibt es überhaupt Menschen, die – wie ich – noch nie mit einem Taxi gefahren sind?

Als ich dies meinem Bekannten mitteilte, riss er sprachlos seine Augen auf und sagte zu mir: „Wie? Du bist noch nie mit einem Taxi gefahren?“

Peinlich berührt nickte ich und wusste im selben Moment: Eine Taxifahrt werde ich auf meine Löffelliste schreiben!

Es sind die kleinen Dinge im Leben

Wie du siehst, müssen deine Löffellisten-Ziele nicht außergewöhnlich, extravagant oder teuer sein. Manchmal reicht es schon aus, den kleinen Dingen im Leben die Aufmerksamkeit zu schenken.

Sobald du das Gefühl hast, du hast dich in deinem Alltag verfangen, jeder Tag scheint gleich zu sein, du hast das Gefühl, dein Leben ist nicht ausgefüllt, dann ändere Kleinigkeiten. Gehe aus der Gewohnheit heraus und erweitere deine Komfortzone. Geh‘ in die Sushi-Bar anstatt in die immer gleich Bäckerei. Geh‘ abends ins Kino anstatt immerzu nachmittags.

Ich werde auf jeden Fall demnächst mit dem Taxi fahren anstatt mit dem Auto!

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